Jois Neusiedlersee (Burgenland): Feriensiedlung

71

Projekt 71

Ein einheitliches Baukonzept wird für unterschiedlich große Haustypen (Reihenhäuser und freistehende Gebäude) genutzt. Ein auf Rammpfählen aufgeständerte massive Grundplatte (außen, mit Schaumglas wärmegedämmt) bildet gemeinsam mit der massiven Mittelwand einen „Speicherkern“, der die passive gewonnene Wärme der Wintersonne bzw. die durch Lüftung eingebrachte Kühle der Sommernächte um einen halben Tag verschoben abgeben kann. Dieser Betonkern wurde in trockener Bauweise (hochwärmegedämmte Holz-Fertigteile) ergänzt und fertiggestellt. Über der so entstandenen Box schwebt ein Flug Dach, das das Gebäude im Sommer gänzlich in den Schatten stellt.

Die südliche Auskragung dieses Flugdaches schützt die südliche Glasfassade vor der Sommersonne und erlaubt gleichzeitig die volle Winter-Besonnung. Jedes Haus verfügt zur Warmwassergewinnung über aktive Solarkollektoren und einen entsprechenden Warmwasserspeicher. Sämtliche Nebenräume und Erschließungen liegen im Norden, alle Wohnräume direkt besonnt im Süden. Vom Dach abgehängte Plattformen bilden im Norden den Zugang zum Haus und im Süden „Seeterrassen“. Sämtliche außenliegenden Holzteile sind aus Lärchenholz.

Die etwa sieben Meter tiefen Gebäude werden durch eine Massivwand in eine ca. 2 m tiefe nördliche Servicezone (Erschließung, Abstellräume, Nassräume) und in eine 4,15 m tiefe südliche Wohnzone geteilt, wobei die Raumhöhe der Nordzone nur 2,20 Meter beträgt, die der Süd Zone 2,60 m. Die Südfront ist fast gänzlich verglast, die Nordzone mit Ausnahme der Eingangstür und kleiner Fenster verschlossen. Die Ost- und Westfassaden sind, je nachdem, ob zum Erschließungsweg oder zum Wasser schauend, gänzlich blind oder mit einem Aussichtsfenster ausgeführt. Der Süd Zone ist eine 2 m tiefe Terrasse (mit Erweiterungen zum Wasser), der Nordzone ein 1,2 m tiefer Gang „vorgehängt“. Entsprechend dem sehr heißen Sommerklima werden die Gebäude mit einem in Richtung Süden verschobenen Flug Dach in den Schatten gestellt. Um die gewonnene Wärme (passive Solarnutzung) der Wintersonne einzuspeichern (und in den Nachtstunden bzw. am nächsten Tage abgeben zu können) bzw. um die sommerliche Nachtkühle aufzunehmen und am Tag wieder abzugeben, wurde ein Speicherkern geschaffen. Dieser besteht aus einer massiven Betonbodenplatte mit außen liegender Schaumglas Wärmedämmung und einer 25 cm dicken, massiven Beton-Mittelwand. Die Außenhülle (Wände und Decken) ist aus einer hoch wärmegedämmten Holz-Ständerkonstruktion aus Fertigteilen hergestellt. Die Glaswände sind eine Holzrahmenkonstruktion mit Isolierglas (u-Wert 1,1 W/m²K). Die Wände sind außenseitig mit einer unbehandelten Holzlärchenschalung verkleidet, das Dach mit einer Folie abgedeckt. Die Fensterrahmen, Fußböden und Türen wurden aus Holz ausgeführt. Die restlichen Innenwände sind Gipskartonwände.

Das 50 bis 70 cm über dieser Box aufgeständerte Flug Dach besteht aus einer Holzunterkonstruktion und einer Wellblechdeckung. Alle Teile – außer dem massiven Kern – wurden vollständig vorgefertigt. So konnte die Zeit des Erdaushubes, des Schlagens der Rammpfähle und das Betonieren zeitlich begrenzt werden. Der restliche trockene Ausbau konnte sehr schnell und mit geringer Umweltbelastung durchgeführt werden. Sämtliche Bauarbeiten erfolgten im Trockenen, die Flutung des erweiterten Hafenbeckens erfolgt erst nach fast vollständiger Fertigstellung der Gebäude. Um weitere teure Rammpfähle zu sparen, wurden die südlichen Terrassen und die nördlichen Zugänge von der Dachkonstruktion abgehängt.

Sämtliche Wohnungen sind mit Warmwasserkollektoren (6-8 m² entsprechend der Hausgröße) und einem 300- bzw. 500-Liter Boiler ausgerüstet. Energiekonzept Dieses setzt vor allem auf die passive Solarnutzung im Winter und Beschattung und „Nachtspülung“ im Sommer. Da die Häuser hauptsächlich im Sommer genutzt werden, wurde auf eine zunächst geplante Biomasse-Anlage verzichtet und die freiwerdenden Kosten wurden dafür verwendet, Warmwasserkollektoren (6-8 m²) und einen Speicher (300 bzw. 500 Liter Boiler) auszuführen und den sehr geringen Restwärmebedarf mit Strom zu decken. In einer weiteren Ausbaustufe (derzeit in Behördengenehmigung) sind auch Passivhäuser geplant, die mit Energiepfählen (Rammpfähle, in denen sich wasserführende Rohre befinden, die aus dem Untergrund Wärme oder Kälte transportieren) versorgt werden.

Projektnummer
71
Status
Bauten
Planung
Georg W. Reinberg, Ursula Schneider
Auftraggeber:in
UBM Realitätenentwicklung AG
Wettbewerb
1995
Planungsbeginn
1997
Baubeginn
1999
Fertigstellung
2001
Grundstück
485.100 m2
Nutzfläche
7.150 m2
Umbauter Raum
25.500 m3

Fotos

Baustelle