Sooß (Niederösterreich): Einfamilienhaus mit Tischlerei und Tanzstudio

19

Projekt 19

Das am Dorfrand, nahe den Weinbergen gelegene Mehrfunktionenhaus verfügt über einen prächtigen Ausblick auf das Wiener Becken. Das Konzept des linear organisierten Gebäudes nützt die leichte Hanglage mit einem in der Mitte befindlichen halbgeschoßigen Versatz. Im Untergeschoß ist vorne eine kleine Tischlerwerkstatt eingerichtet, hier wurden die meisten Arbeiten für das weitgehend in Selbstbau errichtete Haus vorbereitet. Darüber liegt der Wohnteil, an dessen Südostecke ein Wintergartenturm dazugestellt wurde. Zum vorbeiführenden Sträßchen öffnet sich mit drei Holztoren ein großer Wirtschaftsraum, der mit vier Fenstertüren zur Westseite als Ausschank dienen kann, denn der Weinbau gehört zum Alltag der Bauherrenfamilie. Ein entsprechender Keller liegt direkt darunter. Im Dachraum über dem Schank wurde ein kleiner Saal für Bewegung und Tanz geschaffen. Das Haus versammelt damit unter seinem langen Satteldach mehrere Funktionen, wie dies für den ländlichen Bereich in gewissem Sinn schon immer üblich war, in dieser Zusammensetzung aber etwas Neues darstellt. Es kommen hier private Initiativen, handwerkliche und landwirtschaftliche Tätigkeit sowie ein im weitesten Sinn kulturelles Unterfangen, der Tanz als gemeinschaftliche Aktivität einer Gruppe, und natürlich die Wohnnutzung zusammen.

Ähnlich wie ein „Stadthaus“ Geschäfte, Büros und Wohnungen in Funktionsmischung beherbergt, könnte dieses „Dorfhaus“ Anzeichen einer im Zuge der Informationsgesellschaft einsetzenden spezifischen Urbanisierung des ländlichen Raumes sein. Wir stoßen hier auf ein städtisches Kulturverständnis, das verbunden ist mit ländlichen Traditionen. Das ausgeprägte unternehmerische Element und der Lebenswille mag sich beispielsweise in der Weiterführung des Weinbaus und in der Tischlerwerkstatt manifestieren. Damit ist das Haus Ausdruck einer dezentralen, von der Basis ausgehenden Entwicklung. Sein sparsamer architektonischer Ausdruck steht durchaus in der Tradition bäuerlicher oder handwerklicher Nutzbauten. Eine künstlich heimattümelnde Gestaltung wurde vermieden, dafür wurden ökologische Erkenntnisse – nach Maßgabe der Möglichkeiten – in Betracht gezogen.

Projektnummer
19
Status
Bauten
Planung
Georg W. Reinberg, Marta Enriquez Reinberg
Auftraggeber:in
Privat
Baubeginn
1991

Baustelle