Klosterneuburg (Niederösterreich): Haus L.

310

Projekt 310

Haus L. , Lower Austria by Arch Georg Reinberg, Vienna, Austria.

Das Grundstück ist ein Nord-Ost-Hang mit Blick über die Donau und zum Stift Klosterneuburg. In derselben Straße hatten wir ca. 22 Jahre zuvor (Projekt Nr. 45) schon einmal gebaut und damit bereits Erfahrung mit diesem Hang und der Umgebung. Eine besondere Herausforderung bestand in diesem Fall darin, dass die Baubestimmungen die Bebauungsmöglichkeit stark einschränkten, der Auftraggeber sehr viel Wohnfläche in Anspruch nehmen wollte, die Zufahrtsstraße etwas angehoben oberhalb des Hanges liegt und wir sowohl die südwestliche Sonne (hangaufwärts) als auch den spektakulären Ausblick nutzen wollten.

Architektur

Die erwähnte Blickbeziehung konnte dadurch genutzt werden, dass das Gebäude hangabwärts an der unteren Baufluchtlinie platziert wurde. Dadurch liegt das Gebäude aber relativ weit unterhalb der Erschließungsstraße. Deshalb erfolgt der Zugang über eine überdachte Plattform an der Straße, von der aus man über Stufen parallel zur Straße auf ein tieferes Niveau gelangt und nach einer Linksdrehung eine Brücke erreicht, die in das Mittelgeschoss des Gebäudes führt. Hier befinden sich eine kleine Einliegerwohnung sowie Küche, Essplatz, Wohnraum und Nebenräume. Das Wohnzimmer ist durchgesteckt, sodass ein großer Überblick über das Donautal gegeben, aber in die Gegenrichtung auch ein Blick hangaufwärts in den Wienerwald möglich ist (die Zufahrtsstraße gerät dabei aus dem Blickfeld). Über ein Eckfenster erblickt man das Stift. Südwestlich ist dem Wohnraum und der Küche eine große Terrasse vorgelagert.

Vom Zwischengeschoss gelangt man in ein tieferes Geschoss mit den Schlafräumen und einem Spielbereich mit Ausgang in den Garten. Dieses Geschoss ist ca. bis zur Hälfte in den Hang eingegraben. Hier befinden sich die Schlafräume und ein Spielbereich, mittig die Sanitär- und Nebenräume und noch tiefer im Hang ein Kellerbereich. Oberhalb des mittleren Geschosses liegt ein Studio mit einer großen Terrasse.

Die Gebäudeform selbst ist stark durch die sehr restriktiven Bebauungsbestimmungen geprägt. Nur unter ausgetüftelter Auslegung der Bestimmungen konnte derart viel Wohnraum geschaffen werden.

Bausystem

Das teils eingegrabene Mittelgeschoss, die tragenden Innenwände und die Stiegenläufe sind aus Beton, um so Speichermasse zum Klimaausgleich zur Verfügung zu haben. Die Außenwände, teilweise tragende Innenwände und die Decken bestehen aus massivem Brettsperrholz. Die außen liegende Wärmedämmung (Mineralwolle) wird mit Betonfaserplatten geschützt, die den geringen Wartungsansprüchen der Auftraggeber entsprechen.

Energiekonzept

Das Gebäude ist hoch wärmegedämmt (Mineralwolle) und erreicht den Passivhausstandard. Es ist mit einer Lüftungsanlage mit Wärme- und Feuchterückgewinnung ausgestattet. Eine Photovoltaik-Anlage (36 m², 5 kWp) befindet sich am Dach. Thermische Kollektoren

(20,4 m²) sind in die Fassade integriert, sodass sie vorrangig die Wintersonne nutzen. Sie versorgen einen Pufferspeicher mit 1.360 l Volumen (Wellrohrwärmetauscher V4A und V2A). Als Wärmequelle wird das Erdreich über Tiefenbohrungen (2 x 70 m) und eine Wärmepumpe genutzt (Heizleistung 7,5 kW, COP 4,9 bei 0° C Zulauftemperatur und 10 K Spreizung 35/25). Das Haus kann über diese Tiefenbohrungen und die Fußboden- und Wandheizungsflächen im Sommer auch gekühlt werden.

Der spezifische Heizwärmebedarf beträgt 10,25 KWh/m²a. (lt. Energieausweis) bzw. 13,4 KWh/m²a. (PHPP), der Primärenergiebedarf gesamt für Warmwasser, Heizung und Strom 28,8 kWh/m²a. (lt. PHPP). 2019 umfasste der gesamte Stromverbrauch 5.321 kWh, der Ertrag aus der Photovoltaik betrug 5.286 kWh.

Um die Kühlleistungen gering zu halten, können in Sommernächten spezielle Lüftungsklappen (regen-, insekten- und einbruchsgeschützt) in allen Geschossen geöffnet werden, sodass das gesamte Gebäude gut durchlüftet wird. Das Regenwasser wird in einer 4 m³ großen Zisterne gesammelt und für die Gartenbewässerung verwendet.

Aus einem kürzlichen Brief der Auftraggeberin:

„Und die Kühlung über die Fußbodenheizung im Sommer ist einfach hervorragend. Es ist sehr angenehm temperiert und man hat nicht mit den unangenehmen Wirkungen einer Klimaanlage zu kämpfen (abgesehen davon sehe ich Klimaanlagen als das nächste Umweltproblem). Auch die Entscheidung, eine Zisterne für die Bewässerung zu verwenden, war richtig. Auch die Lüftung durch das gesamte Haus funktioniert hervorragend, weil man so die Luft von der schattigen Gartenseite in das warme Obergeschoss bekommt und es abends schnell abkühlen kann“.

Projektnummer
310
Status
Bauten
Planung
Georg W. Reinberg, Martha Enríquez-Reinberg
Auftraggeber:in
Privat
Planungsbeginn
2015
Baubeginn
2016
Fertigstellung
2017
Grundstück
879 m2
Nutzfläche
265 m2
Umbauter Raum
148 m3

Fotos

Baustelle