Tattendorf (Niederösterreich): Feuerwehr und Bauhof

119

Projekt 119

Feuerwehr und Bauhof wurden gemeinsam errichtet. Aufenthaltsräume, die Sanitäreinrichtungen sowie die Autowaschanlage usw. können so gemeinsam genutzt werden. Gleichzeitig stehen die beiden Einrichtungen Rücken an Rücken, sodass sie jeweils eigene Vorplätze und getrennte Zugänge haben.

Von der Ortsmitte auf der Oberwaltersdorfer Straße kommend fährt man unmittelbar vor dem Feuerwehrgebäude eine leichte Linkskurve, sodass man zunächst direkt auf die Hauptfront (Aus­fahrt der Feuerwehrautos) zufährt und dann erst parallel zur Längsfront weiterfährt.

Der Eingang zum Feuerwehrgebäude erfolgt parallel zur Oberwaltersdorfer Strasse über einen kleinen Vorplatz, der sich durch ein Verschwenken der Baukörper an dieser Straße ergibt und dem Knick an der gegenüberliegenden Grundstücksgrenze entspricht. Dieses Verschwenken ermög­licht auch eine bessere Frontbildung der Einfahrten der Feuerwehrautos zur Oberwaltersdorfer Strasse.

Vom Eingang an der Oberwaltersdorfer Straße gelangt man über einen Windfang in ein Foyer, das als Aufenthaltsraum (mit Küchenzeile) genutzt wird. Daran schließen die Garderoben, Abstell­räume und die Haustechnik sowie die Sanitärräume an. Von hier besteht auch eine Zugangs­möglichkeit zum Bauhof (Aufenthaltsraum, Lager/Werkstatt und Garage). Das Einsatzbüro und der Schulungsraum sind auch vom Foyer aus erreichbar.

Die Haupterschließung des Bauhofes erfolgt über die nordöstlich liegende Straße. Der offene Bauhof (Vorplatz) verfügt über ein Vordach, das Schutz für die Abfallcontainer, Rangierfläche und die sonstigen technischen Einrichtungen bietet.

Der Baukörper selbst ist in seiner Höhenbildung durch seine Funktionen bestimmt: die Gebäude für die LKW und die entsprechenden Wascheinrichtungen und Werkstätten sowie der Schulungsraum mit Oberlichten sind höher, die sonstigen Räume niedriger. Die Pultdächer der hohen Gebäude geben der Feuerwehr und dem Bauhof jeweils ihre eigene Richtung (zum jeweiligen Vorhof und Zugang).

Baumaterialien

Sämtliche Decken und tragenden Mauern und Decken wurden aus Brettsperrholz hergestellt, die Flugdachkonstruktion aus Leimholz. Die Wärmedämmung beträgt an den Wänden 16 cm (Steinwolle) und am Dach 26 cm. Die Innenseiten der Vollholzwände wurden entweder mit einer Industrie-Sichtfläche (wie die Decken) belassen, mit Lehm (teilweise farbig) verputzt oder (im Spritzbereich) mit feuchtebeständigen Gipskartonplatten verkleidet und verfliest.
Die Fassaden wurden an der Oberfläche mit einer offenen, unbehandelten Lärchenholzschalung ausgeführt. Nur die Südostfassade wurde, da direkt am Eisenbahngrund liegend, mit einem Trapezblech (als „Solarwall“) verkleidet.

Ökologie/Solarkonzept

Der Umweltschutz ist der Gemeinde Tattendorf als Klimabündnisgemeinde ein besonderes Anliegen. Dementsprechend wurde das Gebäude aus Holz errichtet (erneuerbarer Baustoff, CO2 Deponie). Um die Energie für die Klimatisierung niedrig zu halten, wird der Luftwechsel über eine mechanische Belüftung kontrolliert. Die Zuluft kann entweder über einen Erd-Luft-Wärmetauscher (Erdkanal Durchmesser 200mm, Länge ca. 5x 30 lfm) oder, an sonnigen Wintertagen, solar über eine „Solarwall“ (schwarzes Lochblech mit Perforierungen, über die die Luft angesaugt und so so­lar erwärmt wird) vorgewärmt werden. Die Lüftungszentrale verfügt über eine Lüftungswärmerück­gewinnungsanlage, um auch die Lüftungswärmeverluste zu minimieren.
Der restliche Wärmebedarf wird über einen Gas-Brennwertkessel und Radiatoren bzw. in der Garage über ein Gas-Luftgebläse bereitgestellt.
Das Regenwasser wird in einer Zisterne als Nutzwasser gesammelt, Überschüsse werden vor Ort zur Versickerung gebracht.

Energie

Solarwall: An sonnigen, kalten Tagen wird die hinter der Lochblechfassade erwärmte Luft direkt in die Garagen eingeblasen. Die Hallen, die im Winter auf mindestens 5°C zu temperieren sind, müssen dann nicht eigens beheizt werden.
Überdies wird die an der Solarwall erwärmte Luft über die Lüftungsanlage direkt für die Frischluftversorgung der Nutz- und Aufenthaltsräume herangezogen (Gemeinschaftsräume, Schulungsraum, Werkstatt, Sanitär- und Garderobenbereich). Die warme Zuluft trägt somit unmittelbar zur Raumerwärmung bei und vermindert erheblich den Gasbrennstoffverbrauch.
Das sehr einfache technische Konzept erreicht zusammen mit der einfachen Holzbauweise eine sehr niedrige Energiekennzahl, ohne besonders aufwändige Detaillösungen. Der Heizwärmebedarf beträgt nach Auswertung mit dem OIB-Programm:
HWB = 21 kwh/m²a

Projektnummer
119
Status
Bauten
Planung
Georg W. Reinberg, Patricie Taftova, Martin Presich
Auftraggeber:in
Gemeinde Tattendorf
Planungsbeginn
2000-2001
Baubeginn
2002

Baustelle