Wien, Thürnlhofstraße: Sozialer Wohnbau

175

Projekt 175

Housing Development Roschegasse, Vienna by Architects Georg Reinberg and Peter Thalbauer, Vienna, Austria.

Städtebauliche Lösung

Der Bauplatz liegt am südöstlichen Eck der Blockrandbebauung. Zwei Baukörper sind am Eckgrundstück so platziert, dass einer die östliche Fassade bildet und sich der zweite Baukörper nach Süden orientiert. Der südliche Bauteil wird mit einem Laubengang erschlossen, der sich um 90° gedreht im östlichen Baukörper fortsetzt. Dort wird er aber zum „Mittelgang“. Die Südfront ist insofern besonders begünstigt, als die Straße hier breit ist (Querparker) und sich die Gebäudehöhe der gegenüberliegenden Gebäude auf ein bis zwei Geschosse beschränkt. Dadurch bleibt diese Front auch im Winter vollständig besonnt und der attraktive Ausblick über den Grünraum Zentralfriedhof bis zum Goldberg/Laaerberg ist langfristig gesichert. Der südliche Baukörper orientiert sich daher zur Sonne und zur besonderen Aussicht, er öffnet sich in diese Richtung mit einer doppelten Glasfassade (nach Norden bleibt er weitgehend geschlossen). Der zweite Baukörper mit einer Ost- und einer Westfassade und der Stirnseite nach Süden ergänzt die Blockrandbebauung. Diese Baukörperanordnung ermöglicht eine Öffnung des Blocks Richtung Süden mit einer vertikalen Öffnung von besonderer städtebaulicher Bedeutung:

  • Erschließung des „Innenbereiches“ und Zugang zum Stiegenhaus von der Hauptzugangsrichtung (Simmeringer Hauptstraße) aus,
  • Fortsetzung des fußläufigen direkten Zugangsweges von der Simmeringer Hauptstraße kommend.
  • Öffnung des Innenhofes zur Südseite, sodass direktes Sonnenlicht – zumindest kurzfristig – auch im Innenhof erlebt werden kann,
  • Durchblick aus dem Innenhof (und von den westseitigen Loggien aus) in Richtung Süden (attraktiver Ausblick) genau in jenen Bereich, der unverbaut bleibt (Fußweg zur Simmeringer Hauptstraße),
  • Hervorziehen der westlichen Innenhoffassade bis zur Süd-Fassade, um die Attraktivität des Innenhofes nach außen hin ablesbar zu machen,
  • „Erinnerungsspur“ an die ursprüngliche Konzeptidee des ökologische  Schienentransportes (Einfahrtstraße für die Straßenbahn).

Architektur

Man betritt den Bauteil durch die oben beschriebene „vertikale Öffnung“ und gelangt zur vertikalen Erschließung. Diese bildet für beide Baukörper das Rückgrat. Am unteren Ende befinden sich Gemeinschaftseinrichtungen (Park, Müll, Fahrrad und PKW-Stellräume sowie Grünraum) ebenso wie an deren Ende (Waschküche und Gemeinschaftsraum mit Ausgang auf die Gemeinschaftsterrasse, die den besten Ausblick bietet).

Die PKW-Erschließung nützt das Gefälle der Trepulkagasse und erfolgt im nördlichsten (tiefsten) Bereich in einen grün überdachten Innenhof und im Weiteren in Garagen.

Die vier Himmelsrichtungen erhalten ihre spezifischen Fassaden: die Ostseite ist eine „Lochfassade“ mit Balkonen, die Westfassade öffnet sich mit großen Fensterelementen und einer durchlaufenden Loggia zum Innenhof, die Nordseite dient der Laubengangerschließung und die Südfassade öffnet sich (zur Sonne und zur Landschaft) mit einer vollständigen Verglasung.

Energiekonzept und umweltfreundliches Bauen

Im vorgegebenen RUMBA-Projekt wurde für alle Bauteile des gesamten Baublocks ein gemeinsames Baulogistikzentrum eingerichtet.

In unserem Bauteil wird die schon bestehende Absenkung der Baufläche (Stellplätze im Erdgeschoßniveau mit darüber liegender Plattform mit Tageslichtöffnung) und das Gefälle der östlichen Strasse genutzt, um kaum Bauaushub zu verursachen.

Das Tragsystem wurde aus Betonfertigteilen (wenig Baulärm) und Betonelementdecken hergestellt. Diese Betonteile sind extrem dünn (16 cm) mit minimiertem Stahlbauanteil (verringertes Transportvolumen, minimierte Herstellungsenergie). Der Transport der Bauteile erfolgt schienengebunden bis unweit der Baustelle (Wiener Südbahnhof) und erst von dort (ca. 7 km) mittels LKW zur Baustelle.

Die beiden Baukörper setzen – entsprechend den städtebaulichen Charakteristika – auf ganz unterschiedliche Konzepte: der Schwerpunkt des Ost- Westbauteiles liegt bei der Wärmebewahrung durch Kompaktheit (große Gebäudetiefe), während der Bauteil „Süd“ vor allem die hohen (passiven) Sonnengewinne nutzt. Diese Gewinne werden durch die doppelte Glasfassade und eine kontrollierte Lüftung ermöglicht: ein reines Abluftsystem saugt Zuluft über die Wintergärten an (über Fugen) und bringt so die Solargewinne (auch auf sehr niedrigem Niveau z.B. aus diffuser Strahlung) und die Abwärme aus der innen liegenden Verglasung (= Wärmerückgewinnung) in die dahinter liegenden Maisonetten.

Der Innenhof dient als teilweise offener Stellplatz für PKW. Am überdachten Hofteil entsteht eine Grünfläche. Das Grünkonzept ist in das Gesamtgrünraumkonzept des Baublocks integriert.

Ein ursprünglich geplanter Fassadenkollektor über die gesamte Höhe der Südfassade des östlichen Bauteiles konnte nicht realisiert werden.

Projektnummer
175
Status
Bauten
Planung
Georg W. Reinberg, Peter Thalbauer
Auftraggeber:in
GEWOG
Wettbewerb
2003
Planungsbeginn
2004
Baubeginn
2005
Fertigstellung
2007
Grundstück
2.338 m2
Nutzfläche
6.090 m2

Fotos

Baustelle